Route F:

Die Stationen des Gartenkulturpfades Berlin...
Route der Republik
 
  F1  
Platz des 18. März/Brandenburger Tor
Das weite Halbrund der Randbepflanzung des Großen Tiergartens zum Platz des 18.März hin wirkt wie eine großzügige grüne Kulisse für das weltweit berühmteste Wahrzeichen Berlins: Das Brandenburger Tor.
Die lange umstrittene Namensgebung des Platzes erinnert nun in doppelter Bezugnahme an die Märzrevolution im Jahre 1848, aber auch an die Volkskammerwahl in der DDR am 18.3.1990, in der die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik mit großer Mehrheit sich gegen die Weiterexistenz des Arbeiter- und Bauernstaates entschieden.
 
 
  F2  
Platz der Republik / Reichstag
Wer kennt nicht die Zeitdokumente von Großkundgebungen auf dem Platz der Republik. Der unvergessene Regierende Bürgermeister Ernst Reuter rief hier am 9. September 1948 vor 300.000 Berlinern auf dem Höhepunkt der Blockade den Satz „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“. Und am 3.Oktober 1990 schaute die Welt erneut auf diesen Platz, die schwarz-rot-goldene Fahne und das Feuerwerk. Der Eiserne Vorhang war gefallen und Deutschland wiedervereinigt. Der 2002 neu gestaltete Platz mit seiner offenen, lockeren Bepflanzung stellt die Beziehung zwischen dem modernisierten Reichstag, dem Bundeskanzleramt und dem Haus der Kulturen am Spreeufer her.
 
 
  F3  
Parlament der Bäume
Der Künstler Ben Wargin ist in Berlin schon durch viele Aktionen im Zusammenhang mit Grünflächen und Bäumen bekannt geworden. Nach dem Mauerfall ergriff er die Initiative für eine ganz spezielle Form einer Gedenkstätte. Zur Erinnerung an die 258 Mauertoten schuf er das „Parlament der Bäume“. Auf dem ehemaligen Mauerstreifen in unmittelbarer Nähe des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses befindet sich diese Installation aus original Mauerelementen, Granitplatten mit den Namen der Maueropfer, Sachinformationen und Bäumen.
 
 
  F4  
Spreebogenpark
Nach dem Fall der Mauer und dem Beschluss Parlament und Regierung wieder nach Berlin zu verlegen entstanden nicht nur wichtige Bauvorhaben, sondern auch die Freiflächen und Parks des Regierungsviertels wurden neu gestaltet. Ein Ergebnis dieser städtebaulichen Planung ist der neue Spreebogenpark. Er wurde 2005 fertig gestellt und ist eine Mischung aus klassischen Elementen und moderner Gartenarchitektur. Große, geneigte Rasenflächen werden durch ein mit Stahlwänden gestaltetes Landschaftsfenster unterbrochen. Und ein an gründerzeitliche Vorgärten erinnernder Spurengarten mit bunt blühenden Wiesenblumen unterbricht diese Flächen dort, wo einst der Mauerstreifen seine eigene unfreiwillige Vegetation hervorbrachte.
 
 
  F5  
Bundeskanzleramt
Der neue Amtssitz unserer Bundeskanzler, vom spöttischen Berliner gern wegen seiner riesigen klobigen Form als Waschmaschine bezeichnet, setzt nicht nur architektonisch, sondern natürlich auch gärtnerisch einige besondere Zeichen. Diese bleiben aber natürlich aus Sicherheitsgründen dem normalen Besucher verschlossen.
Das Kanzleramt steht zusammen mit dem Paul-Löbe- und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus im so genannten „Band des Bundes“. Dieses städtebauliche Gesamtkonzept der Architekten Schultes und Frank sieht vor, die Regierungsbauten nördlich und südlich von zwei vierreihigen Eichen-Alleen einzufassen. Gepflanzt wurden ca. 600 jeweils 20 Jahre alte Spree-Eichen (Quercus palustris) im Abstand von 10 Metern.
 
 
  F6  
Großer Tiergarten
Vor den Toren Berlins gelegen war das sumpfige Gelände in der Spreeniederung im Anfang des 16. Jahrhunderts das bevorzugte Jagdgebiet der brandenburgischen Kurfürsten. Zu Beginn des 19. Jahrhundert wurde das Gelände dann vom Königlichen Gartendirektor Peter Joseph Lenné nach dem Vorbild englischer Gärten neu gestaltet und wurde damit auch zum „Volksgarten“. Dann kam jedoch der gravierende Einschnitt des Zweiten Weltkrieges und der Notjahre danach. Es war kaum noch ein Baum stehen geblieben, alles Brennbare war verheizt worden, der Park existierte nicht mehr. Auf den freigewordenen Flächen wurde zum Teil von Bürgern Gemüse angebaut. Heute zeigt sich der Große Tiergarten wieder von seiner schönsten Seite. Er ist nicht nur der größte Park im Stadtinnern, sondern durch seine Größe wirkt er auch als wirksame Grüne Lunge mit nachweisbaren, positiven Auswirkungen auf des Mikroklima des Stadtgebietes. Und beim Geo Tag der Artenvielfalt im Sommer 2005 konnte man im Tiergarten eine Biodiversität nachweisen, die weit über der in ländlichen Bereichen Brandenburgs lag.
 
 
  F7  
Englischer Garten
Ein lebendes Fossil von beachtlicher Größe (Stammumfang 2,40 m, ca. 23 m Höhe und 10 m Kronendurchmesser) schmückt den 1951 angelegten Englischen Garten: Ein Urwelt-Mammutbaum (Metasequoia glyptostroboides), auch als Chinesisches Rotholz bekannt, wurde damals auf Initiative des Kommandanten der Britischen Beatzungstruppen, General Bourne, angepflanzt. Er hat sich seitdem zu dieser stattlichen Größe entwickelt. Ein ganz anderer hübscher Blickfang sind die kleinen Skulpturen an den runden Brunnenbecken vor dem Teehaus.
 
 
  F8  
Schlosspark Bellevue
Der König Friedrich I. von Preußen überließ 1710 den Hugenotten den heutigen Schlosspark unseres Staatsoberhauptes mit dem Ziel, Maulbeerplantagen anzulegen und Seidenraupen heimisch zu machen. Das misslang bekannter Maßen, aber fast 300 Jahre später ist das Schloss Bellevue mit seinem parkgeschichtlich bedeutsamen Garten wieder die erste Adresse der wiedervereinigten Republik. Dabei war auch hier der gravierende Einschnitt der Kriegsfolgen des II. Weltkrieges sehr stark spürbar. Nahezu der gesamte Park wurde 1947 als parzelliertes Gartenland durch Not leidende Berliner genutzt. Heute ist der Schlosspark in Anlehnung an die historischen Vorbilder wiederhergestellt. Im März 1994 nahm Richard von Weizsäcker als erster Bundespräsident nach der Wiedervereinigung Deutschlands seinen Hauptsitz und die Dienstwohnung im denkmalgeschützten Schloss Bellevue. Seitdem bildet das Schloss und der umliegende Park das formale Zentrum der parlamentarischen Demokratie der Bundesrepublik Deutschland.
 
 
  F9  
Bundespräsidentendreieck
Das neue „oval office“ (Bundespräsidialamt) hat dem Dreieck zwischen Spree, Bahn und Paulstr. Zu neuem gärtnerischen Glanz verholfen. Als Ausgleichsmaßnahme für die Eingriffe beim Bau des Amtes wurde der Platz neu gestaltet. Am Spreeufer befindet sich eine vor allem im Sommer beliebte Promenade. Die Parkfläche dahinter ist durch ovale Gehölzinseln strukturiert. Arten- und Sortenreiche Pflanzungen lassen so einen kleinen Parkbereich von besonderer Qualität entstehen.
 
 
  F10  
Moabiter Werder
Eine Schlange am Spreeufer, wer hätte das schon vermutet. Das Reptil ist allerdings aus rotem Backstein und wurde im Zuge des Regierungsumzugs als Infrastrukturmaßnahme für Bundesbedienstete gebaut. Deshalb auch der Spitzname „Bundesschlange“. Das extravagante Bauwerk ist Teil des völlig neu konzipierten Moabiter Werders, ehemals eine Bahnhofs- und Gewerbefläche. Heute ist daraus eine außerordentlich attraktive Uferpromenade am nördlichen Spreeufer geworden. Auch hier treffen wir wieder auf das Band des Bundes in Form der zwei vierzeiligen Eichenalleen nördlich und südlich des streng gesicherten Kanzlerparks. Die neu gestaltete Parkfläche ist 72.000 m² groß und wurde 2003 fertig gestellt. Sie besticht bei den Neupflanzungen durch einen für öffentliche Grünanlagen ungewöhnlich großen Artenreichtum.
 
 
  F11  
Carl-von-Ossietzky Park
An dieser Stelle befand sich ursprünglich die von Gustav Knobloch (1833-1916) erbaute Villa Pflug mit Garten. Sie wurde im II. Weltkrieg zerstört. Der 3 ha große Park wurde zwischen 1960 und 1965 von Wilhelm Alverdes und Hans Niemann neu gestaltet. Mit der Fertigstellung erhielt er den Namen des Schriftstellers und Publizisten Carl von Ossietzky (3.10.1889 – 4.5.1938). Ossietzky wurde 1936 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er starb an den Folgen der Misshandlungen durch die Nazi-Diktatur. An den Namensgeber erinnert eine Bronzetafel auf einem Findling. Ein besonderes botanisches Highlight ist eine Blutbuche (Fagus sylvatica purpurea L.). Sie besitzt eine Wuchshöhe von 20 m, einen Kronendurchmesser von 22 m und ein Alter von ca. 150 Jahren. Dieser Solitärbaum ist ein Naturdenkmal.
 
 
  F12  
Kleiner Tiergarten
Der Kleine Tiergarten erstreckt sich als schmaler Parkstreifen zwischen der Straße Alt-Moabit im Süden und der Turmstr. Im Norden. Mitte der 1950er Jahre wurde der Park von Willi Alverdes und Hans Nimmann gestaltet. Ein Gestaltungselement war ein Senkgarten mit Blumenbeeten, Sitzbänken und fünf verschiedenen Brunnen. Da die Brunnen nun nach 50 Jahren sanierungsbedürftig waren, dafür aber die finanziellen Mittel in Höhe von ca. 2,5 Millionen Euro fehlten, wurden die Brunnen stillgelegt. Der Ortsteil Moabit ist ein sozialer Brennpunkt, was sich unter anderem auch in der Nutzung und der Inanspruchnahme der Grünflächen widerspiegelt.
 
 
  F13  
Mathilde-Jakob-Platz (Rathaus Tiergarten)
Die ehemaligen Bezirke Tiergarten, Wedding und Mitte hatten jeweils eigene Rathäuser. Nun gibt es seit der Bezirksfusion zum neuen Innenstadtbezirk Mitte nur noch ein gemeinsames Rathaus am Molkenmarkt. Die einzelnen Abteilungen des Bezirksamtes verteilen sich jetzt auf die ehemaligen Rathausstandorte.
Im Jahre 1995 wurde der ehemals namenlose Vorplatz des Rathauses nach Mathilde Jacob (1873 – 1942) benannt. Sie war Sozialdemokratin und Mitarbeiterin und enge Vertraute von Rosa Luxemburg. Weil sie Jüdin war, wurde sie von den Nationalsozialisten in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 28.7.1942 umgebracht wurde.
Der Vorplatz des ehemaligen Rathauses Tiergarten wurde zum März 2000 neu gestaltet. Schwarze Granitblöcke aus China stehen als halbrunde Sitzbänke zur Verfügung. Dahinter gibt es eine Schmuckbepflanzung mit verschiedenen Stauden.